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| Kalahrdayas Krippe |
Adhbhuta, das Wunderbare. Die Gottheit ist Brahma, die sthayi Bhava (Grundemotion) ist Vismaya / Ascarya (Staunen / Überraschung) und die Farbe Gelb.
Santa, Frieden. Dieses Rasa wird nicht im Natashastra beschrieben, in diesem Werk beschreibt Bharata Muni nur acht Rasas. Der kashmiri Lehrer (Pandit) Abhinavagupta, der im 10./11. Jahrhundert ein Kommentar über Natyashastra geschrieben hat, hat Santa als eins der Haupt-Rasas, sogar das Grund-Rasa festgelegt. Es ist das Sentiment des Friedens, der Ruhe. Die Gottheit ist Buddha und die Farbe Weiß. Die sthayi Bhava wird von Abhinavagupta Tattvajnama oder Atmajnama genannt. Das heißt, die Realisierung des Obersten (in Sanskrit Paramatvam). Santa ergibt sich aus Gottes Gnade, aus dem gelassenen Geist und der Bekanntschaft mit bedeutenden Personen, Heiligen, Weisen.
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| Frankreich in Indien... |
Ich wusste, dass ich um Weihnachten über das „Wunderbare“ oder Adhbhuta berichten will, aber nicht, dass im Endeffekt alles außer Weihnachten mir einfallen wird. Eigentlich soll man in Indien nur die Augen öffnen und sofort wird man staunen. Da Religion ein Bestandteil der indischen Gesellschaft ist, ist nicht erstaunlich, dass man überall Wundern begegnen kann. Für die Heilung der Krankheiten und Schlangenbisse vertrauen die Landsleute einfacher Priestern und Magiern als Ärzten, wenn jemand ein neues Werkzeug oder Fahrzeug kauft, bringt er es dem Priester zum Segnen (am besten sogar allen Priestern, die er kennt, man ist ja nie sicher genug), beim Anfahren vergisst man nicht, um das Segen von „Our Lady of the Way“ zu bitten (Sicherheitsgurte ist bei weitem nicht so wichtig), der Priester wird in jedem neu gebauten Haus heiliges Wasser streuen und ich zähle nicht mehr die Geschichten von Visionen, die irgendeiner Mensch über irgendein ankommendes Ereignis gehabt hat…
Pandua
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| das Wunder von Pandua |
Ich bin Anfang Dezember mit P. Thottam nach Pandua gefahren. Pandua ist eine Stadt, die ca. 50 km im Norden von Kolkata liegt. Die erreicht man nach einer anderthalbstündigen Zugfahrt vom Bahnhof Howrah. Sie war damals die Hauptstadt eines muslimischen Reichs und es gibt daher die Ruinen eines großen Minaretts. Leider habe ich es nur von ziemlich weit weg gesehen, dafür aber andere Wunder. In Pandua gibt es eine Jesuitenschule, die sich hauptsächlich an die Santalis der umliegenden Dörfer richtet. Die Santalis sind ein indischer Stamm. Ich weiß nicht, woher sie genau stammen, aber es gibt mehrere Dörfer verteilt in West-Bengalen, Bihar und vielleicht auch in anderen Städten. Die indischen Stämme sind außerhalb des Kastensystems. Oft sind sie auch keine Hindus (die Santalis sind Animisten, sie verehren die Geister der Natur, keine Götter). Daher sind sie so wie die Dalits von der indischen Gesellschaft ausgeschlossen. Für sie gibt es daher staatliche Förderungsprogramme (für die „Scheduled Tribes“). Die Jesuiten haben auch mehrere Missionen für die Santalis und Pandua ist eine von ihnen. P. Thottam hat mich die ganze Schule, wo er vor zehn Jahren zwei Jahre verbracht hat, gezeigt und wir waren immer von etlichen lachenden und spielenden Jungen umgeben. Bei P. Thottams Freund hatten wir abends einen prächtigen Abendessen mit einem sehr leckeren Biriyani. Einige Familienmitglieder waren gesundheitlich nicht sehr fit und P. Thottam hat für alle um Allahs Segen gebeten. Es ist für mich ein Wunder, dass so viele Hindus, Christen und Muslime in Indien jenseits ihrer eigenen Religion „Gottesmenschen“ erkennen und anerkennen können, obwohl die Politiker mittlerweil so beschäftigt sind Grenzen aufzubauen und Minderheiten zu unterdrücken. Am nächsten Tag wurde die Messe mit P. Thottam als Zelebrant in Santali gefeiert. Die Kinder haben wunderbare Lieder in ihrer Sprache gesungen und obwohl ich kaum etwas verstanden habe, war ich von der Feier sehr gerührt. Das war für mich das Wunder von Pandua: die Farben der Häuse, das Lächeln der Kinder und die Freundschaften trotz religiösen Verschiedenheiten.
Kerala
Ein zweites Wunder geschah, als ich mit meiner Schwester in Kerala war. Saju hatte mir angeboten, dass sein Bruder uns einen Tag in sein Dorf mitnimmt und hatte mir auch den Kontakt seines Schwagers in Kochi gegeben, damit er uns für unsere Besichtigungen Tipps gibt. Das und die natürliche (süd)indische Gastfreundlichkeit haben bewirkt, dass unser Aufenthalt in Kerala keine normale touristische Reise sondern fast wie ein Familienbesuch war. Besonders in Sajus Dorf war es wirklich traumhaft. Sajus Neffe und Nichte haben uns mit seinem Bruder überall begleitet (sie hatten sich von der Schule deswegen freigenommen – ein Gast ist in Indien heilig), uns Gummibaum- und Ananasfelder, Wälder, Teiche mit Fischen und andere Wunder gezeigt, wir haben jedes Mahl in einem anderen Haus gegessen und am Ende waren wir richtig voll. Sie haben uns gefragt, ob wir nächste Jahr wiederkommen, was mich etwas traurig gemacht habe, weil ich ja nächsten Juli nach zwei Jahren Indien verlassen werde und die Frage nicht positiv beantworten konnte.
Kalahrdaya
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| drei indische Schönheiten |
Das Wunder von Kalahrdaya soll ich auch nicht vergessen. Am 23. Dezember hatten wir unsere Weihnachtsfeier und alle Schüler und Studenten haben getanzt und diejenigen, die nicht tanzen können, sondern Englisch lernen, haben Lieder gesungen. Am Ende haben die übriggebliebenen unter der Leitung der jungen Jesuiten in Kreis Volkstänze ausprobiert. Es war viel Lachen und gute Laune – nur Schade, dass meine Schwester am Vormittag schon nach Paris fliegen musste. Das Wunder von Kalahrdaya ist in diesen Kindern aus sehr benachteiligten Familien sichtbar, wenn sie zum Unterricht kommen, ihr Bestes geben und in ihren Aufführungen wunderbar tanzen. Besonders einige von ihnen sind Perlen im Werden. Kalahrdaya macht ihren inneren Glanz sichtbar und die Sinnlosigkeit der Wörter „Dalit“ oder „Unberührbar“ sprengt einem ins Gesicht.
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| Weihnachtsprogramm in Kalahrdaya |
Santa
Santa oder Frieden, das Grundsentiment, ist mitten in der indischen Gefühlswelt etwas schwierig zu erreichen. Bei diesem Sturm, dem Lärm der Städte, dem lauten Verkehr, den Mücken, dem Gebrüll der Lautsprecher (und wenn alles aufhört, dann ist man von der sommerlichen Hitze zerschlagen), gibt es noch Platz für Besinnung und Frieden? Das macht die seltenen Momente von Ruhe umso kostbar. Ich habe seit anderthalb Jahren das Glück, dass ich in der Nähe von Kolkata in einer Oase der (relativen) Ruhe wohne, die mir erlaubt den inneren Sturm der Gefühle zu spüren. Am 23. Dezember abends nach unserem Programm hörte ich nur etwas ruhige Musik von draußen. Nach all der Feier und dem Lachen gab es tatsächlich etwas Ruhe, und da der Tag und die letzten zwei Wochen so schön verlaufen waren, war auch Zufriedenheit und Frieden da, die ich kosten konnte. Weihnachten ist ja Weihnachten, ein ganz spezieller Tag am Ende des Jahres. Für die Christen das Kommen Gottes als Mensch mitten in den Menschen, Zeichen seiner unendlichen Liebe. Selbst mitten im Gebrüll der Feier wird Frieden in die Herzen erteilt. Friedensmomente, Augenblicke der inneren Erfüllung, sind wie kleine Blumen, deren Duft man genießen soll, sobald sie blühen und bevor sie verdorren.
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| Weihnachtslieder am Lagerfeuer |





