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| Choreographie zum Heiligen Geist - der Spender der Energie und der Mut schlechthin |
Raudra, das Gefühl der Wut. Die Gottheit ist Rudra, die sthayi Bhava ist Krodha
(Ärger) und die Farbe Rot.
Veera, das Gefühl des Heldentums. Die Gottheit ist Mahendra, die sthayi Bhava ist Utsaha (Eifer oder Energie) und die Farbe Orange.
Bhayanaka, das Gefühl des Fürchterlichen oder des
Grauenhaften. Die Gottheit ist Yamakala, die sthayi Bhava ist Bhaya
oder Angst und die Farbe Schwarz.
Bibhatsa, das Gefühl der Ekel oder der Abscheulichkeit. Die Gottheit ist Shiva, die
sthayi Bhava ist Ghrina / Jugutsa (Ekel / Hass) und die Farbe Blau.
Die Wut, das
Heldentum, der Schreck und der Ekel sind gewiss vier energievolle und
leidenschaftliche Gefühle. Für einen deutschen oder französischen Freiwilligen
in Indien sind sie auch verwandte Gefühle, die bei vielen (Konflikt)situationen
im Einsatz auftauchen. Es sind einfach die Konfliktgefühle. Das Freiwilligenleben beginnt mit Veera (deutsche Aussprache Wiera), das Heldentum. Wer fühlt sich
nicht ein bisschen wie ein Held, wenn er seine Komfortzone verlässt und in ein
fremdes Land zieht, wo er sich quasi gratis an den Dienst der Menschen stellen
wird? Und für die Menschen, die ich unterrichte, bin ich auch sicherlich ein
Held. Aber der größte Held in Kalahrdaya ist ohne Zweifel Saju, der sich
unendlich bemüht seinen kleinen Ashram mitten im Nichts trotz vielen
Widerständen in eine anerkannte Kunstuniversität zu entwickeln. Nur selten kann er
einen ganzen Tag in Kalahrdaya verbringen, um dort zu unterrichten. Er muss
ständig nach Kolkata oder zu anderen Orten fahren, Provinziale, Sponsoren,
Lehrer, Architekten, Ingenieure etc. besuchen, Menschen überzeugen sein Projekt
zu unterstützen, für andere tanzen, mit anderen Pläne entwickeln, Spenden sammeln… Drei Monate
im Jahr reist er in Deutschland, Österreich und der Schweiz rum, wo er auch
Workshops leitet, Vorlesungen hält, tanzt und auch dort versucht Projektpartner
und Sponsoren zu überzeugen. Darüber hinaus nimmt er sich Zeit die Arbeit
seiner Doktoranden sorgfältig zu lesen und zu korrigieren, während viele andere
diese Arbeit einem Assistenten überlassen würden. So verdient er sich von
seinen Studenten einen Respekt, der nicht nur seiner Position gilt. Und ich
habe auch fast die einfachen Dorfbewohner vergessen, die ihn wegen
unterschiedlicher Sorgen besuchen, und für die er sich auch immer Zeit nimmt.
In den Dörfern
sind die Frauen die Heldinnen, die oft auf ein berufliches Leben
verzichten müssen, wenn sie heiraten. Sie müssen ja von ihrem Mann abhängen,
sonst würden sie ihn nicht respektieren! Also Schluss mit dem eigenen
Verdienst. Zu Hause kümmern sie sich um den Mann, die Kinder und auch um ihre
Stiefeltern. Wenn alle gegessen haben, darf es die Hausfrau auch, falls irgendetwas übriggeblieben
ist. Wird in Euch ein neues Gefühl erweckt? Das ist Raudra, die Wut. Traurigkeit und Wut fühlt man, wenn einem alle
Ungleichheiten klarwerden. In einem Land wird eine Frau in der Lage seine ihre
Träume zu erfüllen, sie wird Ärztin, Ingenieurin, Tänzerin werden, und in einem
anderen, egal wie talentiert sie ist, wird sich offensichtlich die ganze Welt
bemühen seinen Glanz auszulöschen. Und so viele junge Menschen bemühen sich in
Kalahrdaya wunderbar zu tanzen und morgen könnte alles aufhören, weil die
Situation so instabil ist, weil Menschen zögern eine Genehmigung zu geben…
Manchmal fühle
ich mich in Kalahrdaya geärgert und frustriert, weil es scheint, dass die
menschlichen Beziehungen nie einfach sein können. Es kann so schwierig sein auf
Augenhöhen mit anderen Menschen zu reden! Der eine ist ein Pater, die andere
eine Schwester und die hierarchische Beziehung ist starr festgelegt. Den Pater
wird eine Schwester nie im Leben stören (er ist beschäftigt, selbst wenn die
Beschäftigung nur darin besteht das Fernsehen zu gucken) aber mich kann man
problemlos um jede Uhrzeit für irgendwas rufen, selbst wenn ich an meine
Dissertation oder an einen wichtigen Artikel für Saju arbeite. Aber da habe ich
keine Wahl, was nutzt es sich zu verärgern, wenn eine Situation sich von der
Natur her nicht ändern kann? Ich weiß es jetzt, ich muss mich adaptieren und
es ist besser sich nicht zu wichtig zu fühlen und einfach darüber zu lachen. Im
Endeffekt ist es auch nicht so schwierig und ich bin meinem alten belgischen
Jesuiten Pierre Jacob sehr dankbar, dass ich jeden Monat ihn besuchen und mit
ihm über meine Sorgen und Problemchen reden kann. Und dann lachen wir auch zusammen.
Bhayanaka: was macht mir Angst in Kalahrdaya? Es gibt
einige Tiere, denen man lieber nicht zu nah kommt aber komischerweise sind die
schädlichsten nicht die, denen man sich am meisten fürchtet. Schlangen und
große Spinnen gehen lieber weg, wenn ein Mensch nah kommt aber Ameisen sind
leider nicht so schnell und werden manchmal aus Versehen angefasst oder
betreten. Und manche beißen und tun wirklich weh. Dann fängt man etwas
aufzupassen. Der Verkehr ist manchmal etwas abschreckend und unser Fahrer ist
nicht der beruhigendste. Er hupt, beschleunigt, bremst, beschleunigt wieder.
Wenn er den guten Intervall findet, hupt er, beschleunigt und überholt rechts
oder links, da wo es Platz gibt. Die Rikschas gefallen den Touristen sehr und es
gefiel mir auch, bis ich am ersten Januar meinen Unfall hatte. Jetzt ist der
Genuss mit etwas Vorsicht gemischt…
Zum Schluss Bibhatsa, der Ekel, die Abscheulichkeit.
Und jetzt kann man fröhlich alle Klischees über Indien im Allgemeinen und
Kalkutta insbesondere loswerden. Bibhatsa
ist für mich zuerst die Kreuzung von Kabardanga. Es ist der Ort, wo man zum
letzten Mal in eine Rikscha steigt, wenn man nach Kalahrdaya fährt. Der
Fischmarkt von Kabardanga. Ab 4 Uhr vormittags bringen die Bewohner der
Nachbardörfer ihre Fische an diese Stelle, wo sie verkauft werden, und es
riecht einfach stark, zwar besonders im frühen Vormittag, aber der Geruch
verschwindet nie ganz. Es wird bestimmt eine der Erinnerungen sein, die mich nach meiner Rückkehr lange prägen werden. Bibhatsa ist
auch der Müll, der überall auf die Straßen, die Felder und in die Teiche
geschmissen werden. Am 12. November fand in Kalahrdaya die jährliche
Tanzvorstellung statt und wir hatten für den Müll (leere Teebecher,
Süßigkeitspakete etc.) zwei Container aufgestellt. Am Ende war einer nicht mal
halb voll und der andere ganz leer. Müll überall auf dem Gelände. Wieso stellt
man Container hin, wenn die ganze Erde so ein wunderbarer Container ist? Aber
es ist noch nichts im Vergleich zu den Open-Air-Müllabladeplätze, die hier und
da in Kolkata zu finden sind. Wenn man in die Nähe kommt, versteht man was
„stinken“ bedeutet. Das Erstaunliche ist, dass es auch in dieser Stadt moderne
Viertel gibt, die echt sauber sind. Die Sauberkeit der Stadt hat sich laut Saju
die letzten Jahre sehr verbessert.
Jetzt bin ich am
Ende der Vorstellung von Raudra, Veera, Bhayanaka und Bibhatsa
und vielleicht gab es zu viel Negatives auf einmal. Ist das Leben hier für mich
so schwierig? Ist alles so schwer erträglich? Es gibt ja ab und zu Konflikte,
manchmal ist es schwierig Kulturunterschiede zu überwinden aber es lohnt sich
wirklich. Das letzte Gefühl vom Natyashatra
ist eine Belohnung und eine Krönung, es ist Adhbhuta,
das Wunderbare, das sich dem Weihnachtsbeitrag perfekt eignen wird.
Kurzer Bericht
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| Die älteren Studenten |
Allmählich wird
es kälter. Für mich ist es eher angenehm, ich mag es, wenn ich abends mein Bett
mit einer Decke beziehen muss, anstatt die ganze Nacht auf meinem Bett unter
meinem Ventilator zu schwitzen. Am 12. November gab es das jährliche Programm,
für das wir einige Tage vorher schon angefangen haben das Gelände zu putzen und
die großen Steine zu entfernen. Diesmal fand es auf der Bühne draußen statt.
Leider spielte diesmal kein Fagott sondern nur Chenda (keine Zeit). Es hat zwei
Stunden gedauert, große sowie kleine haben getanzt und ihre Familien haben sich
darüber sehr gefreut. Mit dem Chenda werde ich Anfang Dezember zweimal
außerhalb von Kalahrdaya spielen und der Lehrer hat mit Saju zugestimmt, dass
ich Anfang März mein Arangetram (die erste offizielle Solovorstellung) mache.
Weihnachten naht und ich freue mich. Jedes Fest hat eine andere Farbe als
letztes Jahr, es ist nicht mehr die fröhliche Entdeckung aber es ist immer sehr
schön und das etwas bittere Geschmack, wenn ich wahrnehme, dass es das letzte
Mal ist, zeigt mir, wie wertvoll meine Zeit hier für mich ist.
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| Chenda Melam |




