mercredi 20 juillet 2022

Kalahrdaya - Proclaiming the Good News through dance

 


On 14 and 15 June, the Jesuit priest Saju George and a small group of students from his Centre for Art, Culture and Spirituality "Kalahrdaya" (in Sanskrit: "Heart of Art") presented a programme of Indian classical dance at the Saint-Vincent-de-Paul chapel in Paris and the Sainte-Anne church in Amiens respectively. Inspired by the example of Mother Teresa, Saju George joined the Society of Jesus in Kolkata to serve the poor. He founded Kalahrdaya some fifteen years ago in the suburbs of Kolkata, a personal development centre aimed primarily at "dalits", marginalised populations. Nearly 300 children, teenagers and young adults learn there dance, music, painting, children’s theatre, martial arts, tailoring, or spoken English. Saju George strives to be an ambassador of peace through art. For him, dance, a natural religious language in India as in many other countries, is a means to evangelisation and interreligious dialogue. It is the language given by God to the ones denied access to the sacred texts, so that they know and praise Him in an inimitable way. The deep connection between this proclamation of God’s love in the intuitive language of the poor and the intuitions of S. Vincent Depaul is also very striking. That is why I, who had lived and worked for two years in Kalahrdaya, who had been immersed in the spirituality of Indian sacred art, who had been nourished by the friendship of Fr. Saju, his confreres and the students of the centre, had a great desire to present this different way of praying and praising God through dance, to the confreres, the faithful and all those who were interested.

The programme followed the pattern of an Indian classical dance recital, beginning with a 'flower offering' thanking God, the sanctuary and the audience for the opportunity to dance, and some 'pure' dance numbers (without theatrical elements), followed by 'theatrical' dances illustrating spiritual and biblical themes, and ending with a final 'bouquet' praising God for the resurrection of Christ and a short, simple piece asking for God's blessing on the assembly. Sensitive to the hospitality of the Congregation of the Mission, Fr. Saju had added to the beginning of the "theatrical" part a hymn to St. Vincent de Paul, composed by the Salesian priest and composer Yesudas. St. Ignatius was also honoured with an illustration of his famous "prayer of abandonment". Other pieces, a hymn to Creation, or the dance to the Holy Spirit, would have been more familiar to those who had been on Kalahrdaya's European tours. Each piece was introduced by a short talk explaining the meaning of the words of the songs and the gestures of the dancers.

When I proposed this dance evening, I was anxious and asked myself many questions, such as: would there be an audience? What would be the reaction to an unusual evening in the Saint-Vincent-de-Paul chapel? I was all the more surprised and pleased by the great success of the evening. The atmosphere of devotion created by the dancers was palpable and the audience was visibly moved by it. What touched me most was the joy and gratitude expressed by the dancers in their praise of God, a joy and gratitude that was communicated to the assembly. For those young villagers, the experience of liberation through dance and praise of God is not just a theory. Dance is what allows them to shine on the Indian and European stages, and this experience can help transform them, if they are diligent, into leaders who will lift up the people of their villages. The Vincentians were moved to hear Saju recount his experiences, from his childhood with the Society of St Vincent de Paul, present in many parishes in India, and during his ministry as a deacon in a Lazarist parish in South Calcutta. The parish priest had given him a small bicycle with these words that would nourish his life of service to the villagers: “Go to the villages, enter the houses, pray with the people and get to know them.”

At the end of the evenings, after the blessing dance, the audience and the dancers stayed a while at the back of the churches to talk. Everyone was visibly touched by the experience. Later, Saju told me his gratitude for having been able to dance in this chapel of Saint Vincent de Paul, in his praise, in front of his relics: a "great fulfilling feeling" shared with all of us. He now dreams of choreographing the life of Monsieur Vincent, why not on the occasion of the fourth centenary of the foundation of the Congregation of the Mission?

mardi 7 septembre 2021

Der Traum, der sich nicht erfüllt hat

 In Indien lernte ich zwei junge afghanische Frauen kennen. Letztens konnte ich verfolgen, wie die eine es geschafft hat, nach Italien auszuziehen, die andere andere in Kabul bleiben musste. Beider gehören zu den Hazaras, eine von den Taliban verfolgte ethnische Gruppe. Ich hatte mir überlegt, dazu einen Text zu schreiben aber ich habe lieber folgenden Text der Freundin in Kabul übersetzt. Sie ist dankbar, wenn er weitergeleitet wird.



Ich lebte in einer Stadt Afghanistans. Vor ein paar Monaten habe ich geheiratet. Mein Mann und ich haben ein Haus gebaut und neue Möbel gekauft, um glücklich zu leben.

Wir haben nicht mit einem so plötzlichen Wandel in Afghanistan gerechnet. Mein Mann und ich sind nach Kabul geflohen und konnten nur unsere Dokumente mitnehmen. Wir sitzen jetzt in Kabul fest und können nicht zurück. Ich hatte den Traum, in Frieden in meiner Stadt zu leben, zu arbeiten und mit meiner Familie glücklich zu sein, aber alles ist ruiniert.

Ich habe gehört, dass die Taliban in meiner Stadt Häuser und Fahrzeuge ausgeraubt haben.

Ich habe meine Träume, meine Zukunft, mein Haus und alles, was ich in meiner Stadt hatte, für eine unbekannte Zukunft hinter mich gelassen. Ich weiß nicht, was mit uns geschehen wird.

Werden die Taliban mir als Frau erlauben, weiter zu arbeiten? Werde ich das Recht haben zu wählen, was ich anziehe? Werde ich mit meinen Freunden in Restaurants gehen, lachen und Spaß haben dürfen?

Werden mein Mann, mein Vater und mein Bruder unter dem Taliban-Regime sicher sein? Wird meine kleine Schwester in Sicherheit sein oder wird sie gezwungen werden, einen Taliban zu heiraten und die Schule zu verlassen?

Was wird mit meinem Land geschehen? Was wird mit meinem Volk geschehen?

Ich stehe so unter Schock, dass ich heute nicht richtig schreiben kann. Wir sind seit fast einem Monat unter der Herrschaft der Taliban. Es gibt keine Explosion, es gibt keinen Krieg. Die Orte scheinen sicher, aber es gibt keinen inneren Frieden, wir sind psychisch krank.

Ich höre, dass die Taliban die Häuser von Regierungsangestellten durchsuchen. Sie haben viele Hazaras getötet, nachdem sie gesagt hatten, sie würden allen vergeben. Sie schlagen Frauen in den Straßen von Kabul und anderen Städten. Sie haben Männer geschlagen und angefangen, sie zu misshandeln, aber in den sozialen Medien verkündeten sie, dass sie keine Menschen verletzen werden. Sie haben eine schwangere Frau getötet, weil sie für die Regierung gearbeitet hat, sie haben 45 Soldaten in Badakhshan getötet.

Wie kann ich den Taliban vertrauen?

Ich verstecke mich in einem Haus in Kabul und denke an den kleinen Garten, den ich in meinem Haus hatte. Sind die Pflanzen noch grün? Gibt es Blumen?

Was ist mit der Küche und dem Geschirr passiert, das ich nie benutzt habe? Was ist mit dem Gästezimmer passiert, das ich für Gäste eingerichtet hatte, die nie gekommen sind?

Was ist mit meinen Träumen passiert? Wie lange werde ich mich hier verstecken? Achtzehn Jahre Ausbildung sind jetzt nutzlos. Ich kann nicht arbeiten, ich kann nicht weggehen. Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussieht.

Ich habe viele Botschaften angeschrieben und um meine Ausreise gebeten, aber sie haben mich abgewiesen, weil ich nicht für sie gearbeitet habe. Da ich nicht für Organisationen gearbeitet habe, die direkt von Ländern finanziert werden, kann ich kein Asyl beantragen. Aber die Wahrheit ist, dass mein Leben in Gefahr ist. Das Leben aller ist in Gefahr, aber wir müssen hier bleiben und sterben, weil wir nicht für ausländische Regierungen gearbeitet haben.

Ich bin in einem solchen mentalen Zustand, dass ich nicht schlafen kann. Ich kann nicht essen. Ich kann nicht mal schreiben.

lundi 23 juillet 2018

Dankbarkeit

Mayer Mandir, die Kapelle von Kalahrdaya am letzten Morgen vorm Aufbruch


Ziemlich schnell nach der Einweihung der Kapelle ist Saju am 16. Mai mit einer kleinen Gruppe nach Europa geflogen. Drei Mädchen durften ein zweites Mal in Europa tanzen (Satyen war ja etwas öfter dort). Da die Schwestern am gleichen Tag in ihre Familien gefahren sind, war ich mit P. Thottam allein in Kalahrdaya. Ich durfte jeden Tag die Mangos genießen, die er für mich nach dem Aufstehen sammelte (wegen seines Diabetes durfte er selbst fast keine essen). Außer Englischunterricht und die Korrektur der Dissertation hatte ich nicht viel zu tun. Die Bauarbeiten waren nach der Einweihung der Kapelle quasi angehalten. Ich musste mich auch für meine erste Soloaufführung am Chenda vorbereiten: Täglich schlug ich mindestens eine halbe Stunde lang mein Trommel und meine linke Hand war rot, geschwollen und schmerzhaft. Am 18. Juni hat mich auch der Sänger Pandit Sundar Shyam Goswami eingeladen mit ihm bei einer Fernsehsendung Fagott zu spielen und die Kommunität von Kalahrdaya und meine Freunde im Dorf, die früh genug aufgestanden waren, haben sich gefreut, mich im Fernsehen zu bewundern…
Nach der ganzen Vorbereitung fanden am 24. Juni gleichzeitig meine Abschiedsveranstaltung und mein „Chenda-Arangettam“ statt. Gäste kamen aus Kolkata (meine Freunde Francoise und Leo Jalais und einige Keralis, die auch Chenda lernen) und aus der Gegend (Sr Kavita, die ich zwei Jahre davor kennengelernt hatte), und natürlich die Eltern der kleinen Tänzerinnen und Tänzer. Gemäß der Tradition aus Kerala habe ich meinem Guru meinen Respekt gezeigt und eine Gabe übergeben und ich habe dann das 30-minütige Stück gespielt – nur am Ende ging es etwas „off-track“ aber der Lehrer war mehr als zufrieden. Vor und nach dem Spiel haben die Tänzer unterschiedlicher Altersgruppen für mich getanzt, der letzte Tanz war eine eigene Choreographie der erwachsenen Tänzerinnen und Tänzer (und ihres Lehrers Satyen) – meine engsten indischen Freunde abgesehen von der Kommunität. Saju und mein Lehrer priesen mich aus unterschiedlichen Gründen, P. Thottam nannte mich sein Freund und drückte seine Freude aus, dass ich zwei Jahre mit ihm war, um mit ihm jeden Vormittag um 6 den Tee zu trinken. Ich freute auch die Audienz mit einer kurzen Rede auf Bengali. Ich sagte ihnen, dass ich zwar nach Frankreich fliege, aber nicht nach Hause, denn in Kalahrdaya war ich auch zu Hause. Nach dem Ende des Programms musste ich noch von den Eltern mit ihren Kindern fotografiert werden, bevor ich zum Abendessen kam.
Am 26. Juni hatten wir ein Abschiedsdinner mit den Jesuitenkommunitäten von Raghabpur und Dhyan Ashram. Saju ist dann am 28. wieder nach Europa geflogen und ich habe mich von ihm am Flughafen verabschieden. Mehr als ein Chef oder ein Lehrer war er für mich wie ein älterer Bruder – ich vermisse ihn. Dann habe ich die letzten Tage in Kalahrdaya nach einer letzten kleinen Fahrt mit Satyen, dem Scholastiker Peter und dem Tanzstudenten Kalipada genossen. Die Englischklasse hat auch für mich eine kleine Veranstaltung organisiert und mich beschenkt. Wir hatte ein letztes Dinner mit den erwachsenen Tanzstudentinnen und Studenten, dem Chendalehrer und zwei Chendastudentinnen am 5. Juni. Während der Reden von Thottam, Satyen, dem Chendalehrer und mir war die Emotion spürbar. Der allerletzte Tag war für mich auch schwierig, als ich feststellte, dass ich das Gelände und die Kapelle, die ich geholfen hatte zu bauen, zum letzten Mal sah (natürlich hoffe ich aber, dass ich wieder kommen werde). Gleichzeitig feierten wir die Ankunft vom Scholastiker Peter und von P. Shyamal, die für ein Jahr in Kalahrdaya eingezogen sind. Meine letzte Zeit in Kalahrdaya war gleichzeitig die neue Zeit der neuen Kommunität.
Am 8. Juli bin ich nach Paris geflogen. Nun ist mein Aufenthalt in Kalahrdaya vorbei und ein Kapitel meines Lebens ist geschlossen. Ich habe eine Woche mit meiner Familie in Paris sehr genossen. Jetzt bin ich in Deutschland, in einer Welt, wo alles durch Normen geregelt wird und wo es normal ist, dass kein Unfall und nichts Unerwartetes passieren darf und ich muss mich umstellen. Es ist einfach komisch. Menschlich ist es mir manchmal auch ziemlich kalt. Und ich weiß auch nicht, wie ich über die vergangenen zwei Jahren reden kann, so dass man mich versteht. Wenn ich auf die letzten zwei Jahre zurückblicke, werde ich von Dankbarkeit befüllt. Ich kam vor zwei Jahren dort an und wusste nicht, ob ich es ein Jahr aushalten werde. Am Ende hatte ich das Gefühl, ich könnte mein ganzes Leben dort verbringen. Ich habe eine große Familie und ein Zuhause bekommen. Was habe ich bewirkt? Das weiß ich nicht. Was habe ich gelernt? Unter anderem, dass man manchmal nicht sagen kann: „Es zählt nicht zu meinen Aufgaben.“ Egal ob einer Ingenieur, ein anderer einfacher Handwerker, ein anderer Tanzstudent oder auch Universitätsprofessor war, haben wir uns bei Bedarf die Aufgaben geteilt und zusammen gearbeitet. Mitten in der stark hierarchisierten Gesellschaft Indiens sind diese Unterschiede verschwunden. Das ist eins der Wunder von Kalahrdaya, dass Menschen aus unterschiedlichen Herkunften und Religionen zu einer großen Familie wachsen. Ich bin jetzt gegangen aber bleibe für meine kleinen Schwestern und Brüder „Percy Dada“, der große Bruder Percy, und ich vertraue, dass wir uns alle freuen werden, wenn ich wieder hinfahren werde.

lundi 7 mai 2018

Darshan


Mayer Mandir - The Mother's Chapel (die Kapelle der Mutter)

Soweit ich verstanden habe, ist ein Darshan in der indischen (hinduistischen) Kultur eine Vision des Göttlichen. Es kann in unterschiedlichen Gelegenheiten erfolgen. Ich möchte das Konzept ein bisschen „entmythologisieren“, bevor ich darüber weiter schreibe. Ich begegne dem Göttlichen, wenn ein Ereignis mich tief berührt, zum Beispiel wenn eine Begegnung einer wichtigen und grundlegenden Sehnsucht entspricht. Wenn eine Geige oder ein Cello gut gestimmt ist, werden gewisse Töne alle Saiten in Schwingung versetzen und das Instrument wird besonders ausstrahlen. Ein Darshan wird ebenfalls mein ganzes Wesen in Schwingung versetzen und ich werde innere Harmonie fühlen. Ein Darshan hat mehrere Effekte. Zwei wichtige sind für mich, dass es innere Wunden heilt und mich in Bewegung bringt. In dem Evangelium ist eine Begegnung mit Jesus sehr oft ein Darshan. Der gelähmte Mann kann aufstehen und laufen, die Tauben hören wieder, die Blinden sehen wieder und die Jünger haben eine innere Vision von Jesus als Göttliche Figur, umgeben von Moses und Abraham. Aber auch wenn man solche grandiosen Visionen nicht täglich hat, kann man im Alltag kleine Darshans erleben, wenn man ein bisschen aufmerksam ist. Eine Begegnung mit einem inspirierenden Mann ist ein Darshan, sowie ein wunderbares Konzert oder ein Tanzabend mit einem ausgezeichneten Bharatanatyam-Tänzer.

P. François Laborde

In Kolkata gibt es seit den 1960er Jahren ein französischer Priester. P. François Laborde von dem Prado-Orden ist ursprünglich nach Kolkata gekommen, um das Leben der Armen im Slum zu verbringen. Er hat viele Jahre in der Nähe von dem Bahnhof Sealdah verbracht, wo er einen Solidaritätsverein gegründet hat, den er einige Jahre später den Slumsbewohnern überließ, er war auch Pfarrer, hat Vereine gegründet, die sich um behinderte Kinder kümmern… Ich hatte durch mehrere Leute von ihm gehört, zum Beispiel Françoise Jalais, die selbst mit ihrem Mann Leo vor 40 Jahren nach Kolkata kamen, um P. Laborde zu helfen, und dann geblieben sind, in einer Kommunität von L’Arche gearbeitet haben und im Endeffekt auch die indische Staatsbürgerschaft übernommen haben, und ich wollte ihn kennenlernen. Als ich mir endlich getraut habe, ans Telefon zu greifen, und ihn besucht habe, war ich nicht enttäuscht. Es ist ein einfacher Mann, offensichtlich ein guter Mann und ich habe ein wunderschönes Lächeln gesehen, ein Lächeln ohne Show, das sein Engagement für die Menschen ausstrahlt. Viel mehr kann ich nicht über diese Begegnung sprechen, ich war einfach gerührt. Vielleicht war es für mich ein Darshan.

die Kapelle am 30. April

Die Einweihung von Kalahrdayas Kapelle

Am 6. Mai wurde Kalahrdayas Kapelle endlich vom Bishop gesegnet. Als ich 2016 in Kalahrdaya ankam, sagte mir Saju, dass sie im nächsten Sommer fertig sein sollte. Dann aber kamen im nächsten Oktober die „Demonetisierung“ und die Geldprobleme, die sie mit sich brachte. Die Handwerker konnten nicht mehr bezahlt werden und der Bau musste eine lange Zeit stehen. Erst 2018 wurde wieder gebaut. Die Kapelle ist nicht ganz fertig, es fehlen unter anderem der Marmorboden und die gemalenen Gastfernster aber zumindest sieht sie wie eine Kapelle aus und ich muss sagen, dass sie mir sehr gefällt. Es war sehr rührend, nachdem ich zwei Jahre hier verbracht habe, diese Segnung zu sehen. Für Saju ist diese Kapelle auch eine Art von Darshan: sie ist eine Abbildung seines Glaubens und ein Ausdruck seiner Liebe sowohl für seinen Gott als für Indien. Viele indischen Symbole stecken in der Kapelle: So wie laut der indischen Mythologie die Welt in acht Richtungen geteilt ist, hat die Kapelle acht Seiten. Die fünf Eingangstüre sind ein Symbol für die Vollkommenheit und die 32 Fenster haben auch eine Bedeutung. Auf dem Dach der Kapelle steht ein Kreuz auf einem Lotus, eins von Indiens ältesten christlichen Symbolen (es nutzt zu erinnern, dass Christentum lange vor der Kolonisierung in Kerala präsent war – sogar vor der Christianisierung von vielen Teilen Europas). Für die indischen Christen ist es sehr wichtig in einer Kapelle die Statue der Heiligen Person zu haben, was aus dem Hinduismus stammt. Sie kommen, um das Segen von Mutter Maria zu bekommen, sowie die Hindus in den Tempeln das Segen der Idole bekommen. Die Kapelle heißt auf Bengalischen „Mayer Mandir“, die Kapelle der Mutter. Natürlich ist Maria, die Mutter von Jesus (genauer Our Lady of Velankanni – Unsere Liebe Frau von Velankanni) gemeint, aber im Titel ist es auch klar, dass die Mutter von jedem gemeint ist, Christen, Hindus oder Muslime. Es zeigt den Respekt für die Religion von jedem, der die authentische indische Spiritualität prägt.
Das Kreuz wird mit dem Kran hochgetragen
Die Wochen vor der Einweihungsfeier waren anstrengend. Sujon war wieder vom Bangladesch gekommen, um bei der Verschönerung des Geländes zu helfen und begann jeden Tag um 5 mit Saju zu arbeiten. Ich half auch meistens vormittags, bevor ich mich nachmittags um meine eigenen auch langsam dringend werdenden Sachen kümmere (wie meine Dissertation) und viele StudentInnen von Saju kamen auch. Wir transportierten und lagen auf die Straße Backsteinen, zementierten das Gelände etc. Zum Glück war das Wetter wegen der häufigen Stürme nicht zu heiß und die 35 °C um die Mittagszeit wurden nicht wesentlich überschritten. Saju rannte auch nach den Handwerkern, um sie an die Arbeit zu stellen, oder um sicherzustellen, dass sie überhaupt kommen, damit die Kapelle möglichst wie eine Kapelle und nicht wie eine Baustelle aussieht. Ein Höhepunkt war, als wir das Kreuz im Lotus (200 kg) vom Haus des Künstlers mit einem kleinen LKW gebracht haben und es zwei Tage später mit einem Kran auf das Dach der Kapelle transportiert wurde und wir voller Angst waren, dass dem irgendwas passiert. Dann war das Symbol auf dem Dach und die Kapelle gewann an Pracht. Da der Acht-Punkt-Stern auf dem Boden nicht rechtzeitig fertig sein konnte, haben wir am letzten Tag vor der Einweihung nach dem Abendessen bis kurz vor Mitternacht Teppiche auf den Boden gelegt. Dann war der große Tag da.
Jesus über dem Haupteingang




Messe
Natürlich war auch der Tag auch hektisch. Ungefähr 10 Leute sind gekommen, um für 1000 Menschen den Abendessen vorzubereiten, am Vormittag mussten die Stühle auf dem Gelände, die Projektoren und Leinwände eingerichtet werden, damit die Menschen außerhalb der Kapelle die Tänze sehen können, die in der Kapelle während der Messe stattfinden, die Teppiche mussten noch zusammengeklebt werden, oben auf der Kapelle fehlten Glasfenster… aber wir waren pünktlich um 16:30 bereit den Tee für den Bischof und die Priester zu servieren. Vor dem Gottesdienst fing eine kleine Prozession statt, wo ich mit zwei Tänzerinnen Chenda spielte (da wir das Spielen beim Gehen nicht geübt hatten, war es eine Semikatastrophe). Während der Messe wurden einige Gebete getanzt. Ich fand besonders schön das Gloria mit den kleinen Tänzerinnen und Tänzer rund um die Kapelle. Die anderen Tanzgebete (Akash Mandal, Vater Unser und ein abschließender Tanz) war leider eher hauptsächlich für die Priester und den Bischof innerhalb der Kapelle und die „normalen Menschen“ draußen durften an den Leinwänden etwas davon mitbekommen. Es war aber schön die Verwirklichung von Sajus Inkulturationsbemühung zu sehen und das Ergebnis war doch beeindruckend und schön. Nach dem Gottesdienst wurde der Abendessen für alle serviert (auch da etwas Besseres für den Bischof, die Priester und die Schwestern aber für alle recht lecker), bevor Kirtanmusiker bis um 23 Uhr gesungen haben. Am 7. Mai durfte Saju endlich schlafen.
Anfang der Prozession
Ende der Prozession

Gloria


Es klingt für mich seltsam, dass ich in zwei Monaten jetzt gehen werde, und viele glauben es auch nicht wirklich. Tatsächlich ist die Zeit des Abschieds schon da. Wir werden in den nächsten Tagen zusammen mit den Schwestern die Tanzgruppe für die Europatournee sprachlich vorbereiten, und dann werden sie für vier Wochen weg sein. Dann wird Saju bis seiner nächsten Tournee zwei Wochen bleiben – gerade Zeit, um mein Abschiedsprogramm mit meiner ersten Soloperformance am Chenda vorzubereiten. Dann wird es für mich Zeit wieder nach Europa zu fliegen. Das neue Leben im alten Land macht mich gleichzeitig neugierig, gespannt und etwas besorgt. Über die Traurigkeit, Kalahrdaya zu verlassen, habe ich schon berichtet.

jeudi 12 avril 2018

Osterfreude, Rückkehre und Abschiede

bunter botanischer Garten


Es ist April und die Temperatur steigt… eigentlich noch nicht so schnell. Bis Karfreitag hat mir ein stetiger Aufstieg einen frühen heißen Sommer fürchten lassen aber am folgenden Samstag wurde die Luft von Regenfälle abgekühlt und es ist seither regelmäßig gewölkt. Abends gibt es oft Gewitter und die Luft bleibt relativ kühl (das heißt, Mittag unter 35 °C) und die Nächte sind angenehm. Dieses angenehme Wetter kommt zusammen mit für mich schönen und rührenden Ereignissen. Unsere beiden Schwestern Ranjana und Subhashni sind am 7. April von ihrem Training in Secundarabad zurückgekehrt und wir werden alle zusammen einen guten Monat verbringen, bevor am 16. Mai Saju (hoffentlich mit einer kleinen Tanzgruppe, wenn sie die Visen bekommen) nach Europa fliegt und die Schwestern für einige Wochen nach Hause fahren.
Ein Wald? Nein, ein einziger Baum, der Banyan vom Botanischen Garten.

Ostern

Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht sind wirklich mehr als Weihnachten der Höhepunkt des christlichen Jahres für die Bengalis. Ich hatte schon letztes Jahr vom Fußwaschen am Gründonnerstag berichtet. Dieses Jahr wurde die Messe in unserer Pfarrei von Raghabpur vom Bischof gefeiert und er hat also zusammen mit den drei anderen Priestern die Füße von zwölf Gemeindemitgliedern gewaschen. In Europa muss man heutzutage erklären, dass das Waschen der Füße die Arbeit von Sklaven war, während in Indien keine Erklärung nötig ist. Die Füße eines Menschen sind die dreckigsten Teile des Körpers, weil sie auf dem Weg alle Unreinheiten aufnehmen: Wasserregen, Sumpf, Staub aber auch Abfälle und manchmal Exkremente von Tieren. Sie anzufassen ist das Zeichen der Bescheidenheit des Jüngers, der die Lehre seines Meisters vollkommen und fraglos annimmt, Zeichen des Respekts und Gehorsams des Dieners gegenüber seinem Meister. Wenn Jesus die Füße seines Jüngers wäscht, stellt dies eine radikale Umdrehung der Werte. Wenn der Priester die Füße eines „normalen“ Menschen wäscht, ist es fast inakzeptabel und jedenfalls sehr schockierend, denn der Priester ist für ihn nahezu wie Gott selbst. Die Emotion ist spürbar.
Jesus begegnet seiner Mutter auf dem Kreuzweg.

Dieses Jahr fing die Prozession am Karfreitag um 13 Uhr (die heißeste Stunde – aber Jesus muss ja um 15 Uhr sterben) weit weg von Kalahrdaya an und ich habe sie mir gespart. Stattdessen bin ich etwas später direkt in die Kirche gegangen, wo ein kürzerer Kreuzweg stattfand. Der Kreuzweg und die Lesung der Leiden von Jesus ist sehr dramatisiert. Der Höhepunkt ist die vierte Station vom Kreuzweg, wenn Jesus seine Mutter trifft. In Raghabpur begegnet jedes Jahr eine Statue vom sein Kreuz tragenden Jesus der Statue seiner Mutter und diese Szene wird sehr emotional mit Tränen in der Stimme erzählt. Die Passion von Jesus ist Gelegenheit zu Drama und das mögen die Bengalis sehr (ich weniger). Nach drei Stunden Passionsfeier in der heißen schwülen Luft war ich sehr froh nach Hause fliehen zu dürfen. Im Kontrast und teilweise dank dem kühleren Wetter war die Osternacht zwar auch lang (dreieinhalb Stunden) aber eine sehr schöne und tröstende Feier. Besonders als die Kerzen nacheinander vom „heilige Feuer“ angezündet wurden und die Luft etwas erwärmten, wurden die Herzen von der Wärme gerührt. Nach der so anstrengenden und so dramatisierten Passionsfeier kam uns Friede ins Herz. Nach all diesen Leiden und dem Tod entstand ein neues Leben.
Osterlichter

Abschied von den Juniors

mit Kiran, Rax, Vikash und Kalipada

Eine Woche später am 7. April fand das Abschiedsprogramm der „Juniors“ statt. In Indien absolvieren die jungen Jesuiten nach ihrem Noviziat und vor dem Anfang ihres Studiums ein Jahr, während dem sie Englisch und eine indische Sprache sowie Grundlagen von Spiritualität, Musik, Tanz und andere Fächer lernen und diverse Experimente haben. Jeden Sonntag kamen zum Beispiel einige von ihnen nach Kalahrdaya, um uns beim Englischunterricht zu unterstützen. Beide von ihnen hatten zusätzlich vom Anfang des Unterrichts eine Tanzstunde. Am 7. April zeigten sie also das Ergebnis des Jahres in Form von Tanzen, Liedern und das Aufführen von Theaterstücken in Englisch (Hamlet) und Bengalisch. Am Ende des Programms habe ich sie alle umarmt, insbesondere diejenigen, die mehr Zeit in Kalahrdaya verbracht hatten, und mit denen ich besonders befreundet bin. Mit allen haben wir am nächsten Tag in Kalahrdaya Messe gefeiert und gemeinsam zum Abend gegessen, dann wurden am Dienstag Saju und ich für ihren Abschied wieder eingeladen – diesmal hatten die Novizen für sie ein Programm vorbereitet. Im Herzen behalte ich insbesondere Kiran und Peter, die nicht nur am längsten beim Unterrichten in Kalahrdaya unterstützt haben, sondern auch an Weihnachten eine ganze schöne Woche mit uns verbracht hatten.
mit Peter und Vikash


Abschiedsvorgeschmack

Langsam kommt die Abschiedszeit näher und ich fange an, sie zu schmecken. Ich habe zwei Generationen von Juniors erlebt und wusste beim Abschied, dass diese meine letzte ist. Man fragt mich jetzt öfter, wann ich gehe, aber auch, wann ich zurückkommen werde. Einer sagte: „Du besuchst deine Eltern und kommst wieder, oder?“ Falls ich sage, dass ich nicht weiß, wann ich wieder komme, lautet die Antwort: „Du wirst nicht wieder kommen?“ So ist es hier bei Abschieden, man wird immer nach einem Hausbesuch gefragt: „Kommen Sie wieder?“ und antwortet immer ja, auch wenn man genau weiß, dass man nicht wiederkommen wird. Sonst sind die Leute beleidigt. Auch wenn man eingeladen wird, ist es immer besser die Einladung anzunehmen. Dann lässt man sich eine Ausrede einfallen. Sozusagen gilt die Annahme der Einladung eher als ein Wunsch als eine verbindliche Zustimmung. Wenn man nicht daran gewöhnt ist, ist man aber versucht die Bengalis in die Kategorie „Lügner und Heuchler“ einzuordnen. Jetzt versuche ich jede Begegnung, jede Feier und jede Einladung besser zu schmecken. Beim Verlassen eines Hauses merke ich, wie mir manche Leute ans Herz gewachsen sind. Ich freue mich über die Lächeln, die mir zeigen, dass ich wiederum adoptiert wurde. Und ich hoffe, dass meine Familie und Freunde in Europa beim Wiedersehen trotz ihrer Freude verstehen werden, was ich hinter mich gelassen habe.

samedi 17 mars 2018

Wieder Frühling

An Kalahrdayas Kapelle wird wieder gearbeitet
Kalahrdayas Tor mit neuer Pracht

Nach meiner Rückkehr von Kalimpong haben in Kalahrdaya die Bauarbeiten wieder gestartet. Es war Zeit, denn der Bischof am 6. Mai die Kapelle segnen wird und sie muss bis dahin nach irgendetwas aussehen. Normalerweise stellt man es sich so vor: man setzt einen Termin, plant und die Arbeit wird plangemäß fertig. Dann überlegt man, dass bei Bauarbeiten nie und nirgendwo in der Welt etwas plangerecht fertig wird (man denke nur an den neuen Berliner Flughafen oder die Hamburger Philharmonie). Hier ist es nicht unüblich, dass jemand am Vormittag verspricht, dass er schon auf dem Weg ist und am Abend ankommen wird, was tatsächlich erst eine Woche später geschehen wird. Aber jetzt ist das Holz für die Türen, Fenster und Gerüst da und die Schreiner haben angefangen zu arbeiten. Die Fliesen fürs Dach sind auch angekommen, wenn alles halbwegs gut läuft, wird die Kapelle tatsächlich nach „irgendwas“ aussehen und wir werden wieder Zeugen eines indischen Wunders sein. Seit zwei Wochen sind sechs Novizen hier und helfen das Land neben den Teichen zu erhöhen und woanders zu zementieren. Sie haben schöne Arbeit geleistet – morgen kommt ihr Experiment ans Ende.
Fernsterrahmen

Als ich wieder ankam, hat Bandanas Zwillingsschwester Bonani geheiratet, was für die Mädchen die Gelegenheit war ihre schönsten Saris anzuziehen. Das Brautpaar trug typische westliche Hochzeitsklamotten, was ich als Geschmacksfehler empfunden habe. Bei der Rezeption am Abend nach dem Gottesdienst stand das Paar im Saal auf einem Podest und die Gäste kamen nacheinander, gratulierten ihnen – Gruppenfotos wurden gemacht. Wir tranken Tee und warteten, dass die Tische nach der ersten Welle geleert und gewaschen wurden, um selbst unser Abendessen zu haben und fuhren dann wieder heim. Bei bengalischen Hochzeiten gibt es zwei Rezeptionen: die erste findet üblicherweise am Tag nach dem Gottesdienst im Haus der Eltern der Braut und die zweite ein paar Tage später bei den Eltern des Bräutigams, wo das Pärchen eingezogen ist. Die Frau zieht beim Mann im Haus der Eltern oder in der unmittelbaren Nähe und wird sich um die ganze Familie kümmern. Entweder wurde ein zweites Stockwerk oder ein Häuschen im Hof, wenn es einen Hof gibt, gebaut. Da hat es sich für mich seit meiner Ankunft wenig geändert. Wenig attraktiv aber es ist halt eine andere Kultur und die Lebensbedingungen sind anders. Wenn man täglich ums tägliche Brot kämpfen muss, ist Romanze ein unerreichbarer Luxus.
Im Februar haben wir uns über den kurzen Besuch von P. Klaus Väthröder und Judith Behnen von der deutschen Jesuitenmission gefreut. Saju und ich haben sie vormittags gegen 6 Uhr abgeholt („nur“ eine Stunde Verspätung), dann haben wir ihnen das Gelände von Kalahrdaya sowie die Pfarrei von Raghabpur und das neue Gebäude von St. Xavier’s College dort gezeigt. Nach dem Mittagessen und eine kurze Siesta sind sie dann weitergereist. Ich hoffe, dass die Indienreise insgesamt schön und zufriedenstellend war. Schon am übernächsten Tag sind Saju und eine kleine Gruppe ins Gujarat gefahren und haben dort zwei Programme in Baroda und Ahmedabad gehabt. Dieses Jahr reise ich leider nicht mehr mit. Mitte Mai wird ungefähr die selbe Gruppe für einen Monat nach Europa (Schweiz, Deutschland, Österreich, Ungarn und Rumänien) fliegen und dann werde ich alleine am 8. Juli nach Paris fliegen.

Im Moment schwankt die Anzahl von Englischstudenten wegen Prüfungen zwischen vier und zehn. Das Alter, die Motivation und das Niveau schwanken auch von Student zu Student. Die jüngste ist 10 und versteht kaum Englisch, was mir die Gelegenheit gibt zu versuchen einige anderen Studentinnen als „Assistenten“ zu benutzen, vielleicht können sie dabei besser lernen… Nach den Prüfungen werden voraussichtlich wieder mehr Studenten kommen, dann werden die Schwestern auch wieder da sein und können mich unterstützen.

jeudi 25 janvier 2018

Still auf den Hügeln

Dipesh und die Teegärten von Darjeeling


Weihnachten und Neujahr

Zu Weihnachten hatten wir zwei Junioren, Kiran und Peter, zu Gast. Die Junioren sind in Indien die jungen Jesuiten, die zwischen Noviziat und Studium ein Jahr unter anderem Englisch und eine indische Sprache lernen, und auch unterschiedliche Dienste leisten. So können ihre Superioren sie und ihre Interessen besser kennenlernen, bevor sie sie zu einem angepassten Studium schicken werden. Sie haben sich in Kalahrdaya beschäftigt (Obste gesammelt, Chilipulver vorbereitet etc.), sich ausgeruht, für ihre Prüfungen studiert. Wir sind zusammen zu Weihnachten in die Pfarrei zum Gottesdienst gegangen, wie letztes Jahr gab es Lesungen und schönen Gesang von 22 Uhr bis zum eigentlichen Beginn um Mitternacht und wieder eine etwas zu lange Predigt. Wir haben einen anderen Tag zusammen das Haus einer Tanzstudentin besucht. Obwohl die Familie offensichtlich gar nicht reich ist, wurden wir wie drei Könige gefüttert, wir haben uns die Gegend angeschaut und ein bisschen Badminton gespielt. Das war ein schöner Tag. Silvester wurde mit einem Gottesdienst in der Pfarrei und einem gemütlichen Abend vor dem Fernsehen mit einem anderen Gast, P. Shyamal, gefeiert. Kiran und Peter waren schon am Nachmittag zurück zu Dhyan Ashram gefahren. Am 3. Januar sind dann unsere Sr. Ranjana und Subhashni für eine dreimonatige Weiterbildung nach Secunderabad gefahren und ich wohne mit P. Thottam und Saju jetzt allein in Kalahrdaya, das wieder (temporär) zum reinen Männerhaus geworden ist. Die Englischstudenten haben unter der Woche statt drei nur noch einen Lehrer (am Sonntag kommen noch die Junioren).

Terrassenkultur in Kalimpong und Hügel von Darjeeling

Kalimpong


Am 14. Januar bin ich für einige Tage Exerzitien nach Kalimpong gefahren. In Kalimpong eignet sich das Noviziat der Jesuitenprovinz von Darjeeling sehr gut für eine Woche in der Stille. Um Städte wie Kalimpong oder Darjeeling, die auf Hügeln gebaut wurden, zu erreichen, fährt man zunächst mit dem Bus oder dem Zug nach Siliguri und dann muss man mit „shared Jeeps“ fahren. Ungefähr zehn Passagiere teilen sich ein Jeep.
Im Wald
 Die geistlichen Übungen von Ignatius von Loyola bestehen aus durchgehender Stille, täglichem Gottesdienst und einigen „Schriftbetrachtungen“ am Tag (mehr oder weniger liest man einen Auszug aus der Bibel und lässt ihn auf sich selbst einwirken). Den Rest des Tages hat man Zeit, um spazieren zu gehen, sich zu erholen, schlafen… Man kann auch in die Vergangenheit zurückschauen, in die Zukunft blicken und versuchen sein Herz für Gott offen zu halten. Ich habe über meine Erfahrung der Öffentlichkeit nicht viel mitzuteilen, außer, dass ich die Zeit gut fand. Nur abends als ich ins Bett ging und vormittags als ich aufstand war es besonders schwierig: es gibt in Indien nirgendwo Heizung und im Winter sind die Häuser besonders in den Hügeln kalt. Also abends war das Bett kalt und morgens, als ich die ganze Nacht das Bett gewärmt hatte, frier ich wiederum im Zimmer.
Ein anderer wichtiger Punkt für meine Entscheidung nach Kalimpong zu fahren war, dass ich Gandhi Ashram besichtigen wollte. Gandhi Ashram ist ähnlich wie Kalahrdaya eine spezielle, von den Jesuiten gegründete Schule, die sich an die Kinder der Hügel von Kalimpong richtet. Neben den üblichen Fächern lernen sie auch ein Musikinstrument: Geige, Bratsche, Cello oder Klavier. Die Idee ist mit Kalahrdayas Konzept verwandt: den Geist und das Herz der Kinder erheben, sie für eine andere, schönere Welt wach machen als die oft schmerzhafte, die sie täglich erleben. Da ich genau im Winterurlaub gekommen bin, habe ich leider nicht mehr gesehen als leere Gebäude und ein paar Violinen. Auf dem alten Campus von Gandhi Ashram gibt es auch ein Hostel für Kindern aus schwierigen Hintergründen (Waisen, Straßenkinder etc.). Aber ich konnte auch Sonntag mit der kleinen Kommunität verbringen und einige junge Menschen haben zwei Novizen und mich in ein Dorf auf dem Hügel gebracht, wo wir Häuser besucht und die Landschaft genossen haben.
Ein Haus in einem Dorf auf dem Hügel

Als wir auf dem Hügel von Kalimpong spazieren gingen, bewunderte ich die Mühe und die Kunst der Menschen, dort hier Häuser aufzubauen. Sie erstellen Gehwege, setzen die Häuser auf Stelzen, weil der Boden ja schräg ist, ab und zu sieht man einen zementierten Gehweg mit einer Treppe und fragt sich, wie sie das Zement hingebracht haben – die besten Häuser sind auch zementiert aber viele sind aus einfacheren Materialien wie Wellblech oder Sumpf hergestellt. Das Ganze befindet sich mitten im Wald oder in den Feldern, die sie kultivieren. Es hat ein Paradiesgeschmack. Aber wenn man die Häuser besucht, merkt man, dass das Leben dort nicht so glücklich ist, wie die Landschaft es erahnen lässt. Oft herrscht da große Armut, manchmal verbunden mit Süchten und Gewalt.

ein bisschen Himalaya (wenn man genau hinguckt)

Darjeeling


Nach den Tagen in Kalimpong hatte ich noch Zeit kurz nach Darjeeling zu springen, was mit dem Jeep ungefähr 2,5 Stunden dauert. Ich habe in der Schule St. Joseph im Norden von Darjeeling (North Point) übernachtet, die mit allen den vorher erwähnten „sozialen“ Schulen nur gemeinsam hat, dass sie von den Jesuiten betrieben wird. St. Joseph richtet sich an den hohen sozialen Klassen. Sie ist groß, ziemlich luxuriös und das Essen ist köstlich. Von dort aus kann man in der Ferne das Himalaya bewundern. Nach dem Mittagessen bin ich schnell runter in die Dörfer und die Teegärten gegangen. 
ein Haus auf dem Hügel von Darjeeling

Ich hatte das Glück, dass mich ein Mann (Dipesh) gefragt hat, was ich eigentlich da mache, und da ich im Grunde nur vorhatte meine Zeit beim Spazierengehen zu verschwenden, hat er mir angeboten mir sein Haus, sein Dorf, seine Familie und die Teegärten zu zeigen. Das Haus war ja überhaupt nicht reich, seine Mutter und seine Schwester haben für mich Tee gekocht und er hat was „Stärkeres“ getrunken. Er war damals verheiratet aber seine Frau ist inzwischen in einem jungen Alter gestorben, er hat ein fünfzehnjähriges Mädchen, das ich bei der Feier von Saraswati-Puja getroffen habe. Wir sind von einem Haus zum anderen gegangen, ich habe viele Menschen getroffen und habe mich gefreut. Wie schon erwähnt war es an dem Tag die Feier von der Weisheitsgöttin Saraswati, die ich an dem Tag zweimal gepriesen habe (so kann mein Englischunterricht nur besser werden).
tibetische Kinder und Erwachsene

Am nächsten Tag bin ich diesmal oben geblieben und habe zuerst ein Haus der Ramakrishna-Mission besichtigt, wo „Schwester Nivedita“ (Margaret Elizabeth Noble) 1911 gestorben ist. Sie war eine englisch-irische Lehrerin und eine Jüngerin vom Gründer der Ramakrishnamission Vivekananda, der ihr den Namen Nivedita („die an Gott gewidmete“) gegeben hat. Sie hat viel für die Erziehung von Mädchen gewirkt und hat sich für Indiens Unabhängigkeit engagiert. Im Haus gibt es einen „universellen Gebetsraum“, wo ich mich ein paar Minuten gesetzt habe. Stark vereinfacht lautet die Philosophie der Ramakrishnamission „Alles ist gut“: alle Religionen sind in sich gut und sind unterschiedliche Wege zur Begegnung mit dem Göttlichen. Dann bin ich in ein Dorf von tibetischen Flüchtlingen gegangen. Ich durfte mich in der Teppichwerktatt hinsetzen und bewundern, wie die Frauen mit ihren schnellen präzisen Fingern Teppiche herstellen und dabei ihre Mantras singen. Es gibt auch viele andere Werkstätte und im Shop kann man Teppiche, Schäle, Pullover, Gottesstatuetten, Tee und vieles andere kaufen. Es wird in unserer Welt selten, dass man den Herstellern der gekauften Produkte begegnen kann.
Teppich-Werkstatt im tibetischen Dorf in Darjeeling


Nach dieser schönen langen Woche bin ich nach Kalahrdaya zurückgekommen. Ich weiß nicht, ob ich vor Juli noch reisen werde. Wenn nicht, kann ich die restliche Zeit in Kalahrdaya, meinem indischen Zuhause, genießen. Die Temperatur wird noch einen guten Monat angenehm bleiben und dann hoffe ich, dass ich den Sommer gut durchhalten werde… Sonst fahre ich vielleicht wieder mal in die Hügel.