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| Eine Durga-Idole: die Göttin Durga besiegt den Dämon |
Hasya und Karuna – die Komödie und die
Trauer
Hier werde ich
zwei entgegengesetzte Gefühle zusammen präsentieren: die Komödie und die
Trauer.
Hasya ist das
Gefühl der Komödie. Die Gottheit ist Pramatha, die Farbe ist Weiß und die Grundemotion
heißt Hasa (das Lachen).
Karuna, das
Gefühl der Trauer (Pathos). Die Gottheit ist Yama, die Grundemotion ist Soka
(Trauer) und die Farbe ist Aschengrau.
Hasya… Das erste,
was mir spontan im Kopf kommt, ist die Freude der Kinder (fast ausschließlich
kleine Mädchen), die zur Tanzklasse in Kalahrdaya kommen, vor allem vor dem
Unterricht. Zum Beispiel sonntagvormittags, wenn wir mit dem Chendaunterricht
noch nicht fertig sind und sie schon da sein. Sie lachen und spielen hinten im
Raum (natürlich stört es uns nicht, da wir mit unseren Holzschlägern und
Steinen selbst laut genug sind). Es ist einfach Lebendigkeit und ich bleibe da
wortlos. Kommt und seht. Beeindruckend ist, wie einfach sie von dieser
Freudigkeit zur Konzentration springen, wenn der Unterricht anfängt. Dann, wenn
sie Pause haben, kommt die Lebendigkeit wieder.
Bengalen ist ein
Land der Festivals: 12 Monate, 13 Pujas. Eigentlich geht die Festivalsaison bei
der Feier der Göttin Durga Ende September/Anfang Oktober wirklich los. Im
Sommer wird es deutlich weniger gefeiert als im Herbst und Winter. Und wenn die
Bengalis feiern, tun sie es richtig: hier gibt es keine Nachtruhe, sie staunen
ja, wenn man von einem „Ordnungsdienst“ reden. Wahrscheinlich ist es wichtiger
die Götter mit einer ausgiebigen Feier zufriedenzustellen als die Nachbarn in
Ruhe zu lassen. Wenn eine Hochzeit von einer Familie gefeiert wird wird
ungefähr das ganze Dorf eingeladen, mindestens 200 Personen. Es ist
beeindruckend, wieviel Geld selbst die ärmsten Familien für eine solche Feier
ausgeben werden. Der Gatte wird mit einem prächtigen Kurta gekleidet, und die
Gattin ist mit ihrem Kleid, den goldenen Ringen und dem Schmuck wie die
Inkarnation einer Göttin. Es wird sehr darauf aufgepasst, dass die Gäste mit
vollem Bauch krabbelnd nach Hause gehen.
Karuna, die
Trauer, ist die andere Seite der Medaille. Wegen Krankheiten und schlechter
medizinischer Versorgung, aber auch oft Gewalt und Kriminalität wird viel
getrauert. Letzten Monat starb zum Beispiel eine junge Frau, die seit nur zwei
Jahren verheiratet war, eine unglückliche „Liebesehe“. Der Mann war gewalttätig
und die Frau hatte schon zweimal versucht sich das Leben zu nehmen. Zum Schluss
starb sie aus Brennwunden, von denen es unklar ist, ob sie von dem Mann oder
der Frau selbst verursacht wurden. Von der Familie des Mädchens wurde eine
Klage eingerichtet. Einige Monate früher ist in einem Club-internen Streit ein
Mann schwer verletzt worden, hat zum Glück überlebt, weil Freunde schnell genug
mit Waffen gekommen sind. Die Clubs sind hier mehr oder weniger die Mafias, die
die Dörfer steuern und ausbeuten. Da die aber für die Regierung die Wahlen
kontrollieren, werden sie in Ruhe gelassen.
Wenn jemand in
einer christlichen Familie stirbt, wird die Leiche meistens am selbigen Tag
beerdigt. Es bleibt möglichst kurze Zeit im Haus, damit die Familienmitglieder
möglichst schnell aufhören zu klagen und zu fasten. Drei Tage nach der
Beerdigung wird mit Freunden, Verwandten und dem Priester gebetet, dann isst
die Familie bis zum 41. Tag nach dem Tod kein Fleisch. An diesem Tag gibt es
dann wieder ein Gebet und ein feierliches Mahl, wo viele eingeladen werden und
viel Geld fürs Essen (dann wieder mit Fleisch) ausgegeben wird. Nach Karuna
kommt wieder Hasya.
Die Natur lacht
auch viel, besonders nach der Regenzeit, wenn sie nicht mehr unter
übertriebenen Hitze, Feuchte und Regen leidet. Eigentlich schon in der
Regenzeit fängt sie an ihre Lebendigkeit zu zeigen: das Wachstum von Pflanzen
und Grass ist beeindruckend. Aus fast allem, was man direkt vor dem Monsun pflanzt,
werden schöne Pflanzen und Bäume. Und ab Mitte Oktober in der kurzen
Herbstsaison wird das Wetter richtig gut. Es ist nicht mehr unerträglich heiß
und feucht sondern angenehm warm, es regnet fast nie und die Landschaft und das
Licht sind wunderbar. Wo versteckt sich denn Karuna in dieser Schönheit?
Vielleicht schonmal im Sommer (hier ab Mitte März bis Mitte Juni):
Temperaturen, die oft über 40°C reichen und zwischen 11 und 15 Uhr wartete ich
oft einfach, dass es kühler wird. Aber die Tanzstudenten waren so beeindruckend
in ihrer Bemühung, tägliches Training von 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr! Denn die
Prüfungen kamen erst im Juni. Tod und Trauer stellen natürlich die gefährlichen
Tieren, die sich im hohen Gras verstecken, dar. Vor einigen Wochen war ich mit
den Schwestern in der Nähe von Canning, ungefähr wo die Sundarban anfängt. Die
Sundarban ist das Delta vom Ganges im Süden von Bengal. Auf Bengali heißt es
„schöner Wald“. Es ist eine der schönsten Regionen Indiens aber auch eine der
vom Klimawandeln gefährdeten. Wenn die Meereshöhe zu viel steigt, könnte die
Sundarban mit allen ihren Schätzen (wilde Tiere – Krokodilen, Schlangen,
natürlich bengalische Tiger, und die Urwald) verschwinden. Dort, wo wir waren,
haben die Missionarinnen der Barmherzigkeit ein Krankenhaus für psychisch
erkrankten Menschen und auch eine Stelle, wo Leute aus der Gegend kommen, wenn
sie von Schlangen gebissen werden, und das sind einige. Die Sundarban ist der
Ort mit den meisten Sterbefällen wegen Schlangenbiss.
Kurzer Bericht
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| Ausflug mit Sr. Subhashni (mitte) und Sr. Ranjana nach Mariapally |
Ende September
fang Durga Puja, das größte Festival in Bengalen, an. Einmal versuchte der
Dämon Mahashasura den Himmel zu erobern. Als die Götter überwältig waren,
erschien aus dem Feuer Durga, eine wunderbare Frau, der die Götter ihre Macht
und ihre Waffen übergaben. Sie besiegte Mahashasura und brachte Friede auf Erde
zurück. Durga ist im hinduistischen Pantheon ein Aspekt von Shivas Gemahlin
Parvati. Die Feier dauert zehn Tage. Am ersten Tag, Mahalaya, wird ab 4 Uhr
vormittags gesungen, um die Göttin Durga auf die Erde zu rufen. Diesmal war ich
aber von der Stille erstaunt, da im Gegenteil zu letztem Jahr nichts aus den
Lautsprechern draußen kam. Der Höhepunkt des Festivals fand vom 27. September
(Saptami oder siebter Tag) bis zum 29. September (Navami oder neunter Tag)
statt. Man kann in Kolkata etliche temporäre Tempeln mit der Darstellung vom
Kampf zwischen Durga und Mahashasura besichtigen und ihre Vielfalt bewundern.
Alle diese Tempeln werden nach dem Ende des Festival am 30. September abgebaut
und die Idolen werden ins Wasser geworfen, damit Durga zu ihrem Gemahl ins
Himalaya zurückkehren kann.
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| Sr. Subhaschni und Sr. Ranjana mit P. Gabric SJ, der demnächst seliggesprochen werden sollte. |
In den letzten
Tagen von Durga Puja hat es wieder geregnet (vorher war das Wetter eher schön)
und eine Woche später haben einige Teiche nach langem starkem Regen etwas
überlaufen. An dem Tag hatten wir natürlich auch keinen Strom mehr. Zum Glück
hat der Regen nach einem Tag aufgehört.
Am 19. Oktober
ist Diwali, das Fest der Lichter. Ganz Indien schießt Feuerwerke, damit das
Licht die Dunkelheit besiegt (mehr oder weniger). Und das machen sie richtig.
An diesem Tag ist zum Beispiel Delhis Luft zehnmal so schlecht wie normal und
die Sichtweite ist nicht mehr als 1 km. Der Himmel sieht in der Nacht so aus
wie bei starkem Gewitter Aber es ist allen völlig egal, die Leute feiern.
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| Der Teich läuft (ein bisschen) über. |
In Bengalen ist
es auch Kali Puja. Kali ist wie Durga ein Aspekt von Parvati, nur krasser. Sie
wird selbst zur Dämonin, um das Übel zu besiegen. Sie tötet unerbittlich
massenweise ihre Feinde. Um sie schließlich abzuhalten, legt sich ihr Gemahl Shiva
an den Boden vor sie. Wenn sie Shiva zertrampelt, hört sie aus Scham aus. Kali
ist in Bengalen sehr beliebt und wird wie keine andere Gottheit in etlichen
kleinen Tempeln und im großen Tempel von Kalighat verehrt. Im Norden von
Kolkata gibt es auch das sehr schöne Tempel von Dakshineswar, wo Ramakrishna
Priester war. Ramakrischna war ein Mystiker aus dem 19. Jahrhundert und ein
Initiator der bengalischen und der hinduistischen Renaissance und ein Pionier
im interreligiösen Dialog. Sein Jünger Vivekananda hat die Ramakrishna Mission
gegründet, die einerseits Hinduismus in der ganzen Welt verbreitet und
andererseits viel Arbeit im sozialen Bereich in Indien leistet.
Saju war die
ganze Zeit in Europa verreist, und da die Schwestern lange Zeit auch weg waren,
hatte ich eine angenehme Zeit mit P. Thottam. Jetzt füllt sich das Haus wieder,
Sr. Ranjana und Subhashni sind am 17. wieder gekommen und Saju kehrt am 25.
Oktober zurück. Inzwischen haben wir den Besuch von Br. Kuriakos, einem
Jesuiten aus Kolkata, bekommen, und die Gelegenheit zu haben mit solch einem einfachen,
offenen und herzlichen Menschen zu reden, ist mir ein Segen.
Ab nächster Woche
wird es für das jährliche Programm von Kalahrdaya am 11. und 12. November
intensiv geprobt. Am 12. November werden hauptsächlich Priester und Religiöse
eingeladen, während am 11. die Familien der Kinder ihre Kunst bewundern werden.






