vendredi 20 octobre 2017

Hasya und Karuna - Lachen und Trauer

Eine Durga-Idole: die Göttin Durga besiegt den Dämon


Hasya
und Karuna – die Komödie und die Trauer

Hier werde ich zwei entgegengesetzte Gefühle zusammen präsentieren: die Komödie und die Trauer.
Hasya ist das Gefühl der Komödie. Die Gottheit ist Pramatha, die Farbe ist Weiß und die Grundemotion heißt Hasa (das Lachen).
Karuna, das Gefühl der Trauer (Pathos). Die Gottheit ist Yama, die Grundemotion ist Soka (Trauer) und die Farbe ist Aschengrau.
Hasya… Das erste, was mir spontan im Kopf kommt, ist die Freude der Kinder (fast ausschließlich kleine Mädchen), die zur Tanzklasse in Kalahrdaya kommen, vor allem vor dem Unterricht. Zum Beispiel sonntagvormittags, wenn wir mit dem Chendaunterricht noch nicht fertig sind und sie schon da sein. Sie lachen und spielen hinten im Raum (natürlich stört es uns nicht, da wir mit unseren Holzschlägern und Steinen selbst laut genug sind). Es ist einfach Lebendigkeit und ich bleibe da wortlos. Kommt und seht. Beeindruckend ist, wie einfach sie von dieser Freudigkeit zur Konzentration springen, wenn der Unterricht anfängt. Dann, wenn sie Pause haben, kommt die Lebendigkeit wieder.
Bengalen ist ein Land der Festivals: 12 Monate, 13 Pujas. Eigentlich geht die Festivalsaison bei der Feier der Göttin Durga Ende September/Anfang Oktober wirklich los. Im Sommer wird es deutlich weniger gefeiert als im Herbst und Winter. Und wenn die Bengalis feiern, tun sie es richtig: hier gibt es keine Nachtruhe, sie staunen ja, wenn man von einem „Ordnungsdienst“ reden. Wahrscheinlich ist es wichtiger die Götter mit einer ausgiebigen Feier zufriedenzustellen als die Nachbarn in Ruhe zu lassen. Wenn eine Hochzeit von einer Familie gefeiert wird wird ungefähr das ganze Dorf eingeladen, mindestens 200 Personen. Es ist beeindruckend, wieviel Geld selbst die ärmsten Familien für eine solche Feier ausgeben werden. Der Gatte wird mit einem prächtigen Kurta gekleidet, und die Gattin ist mit ihrem Kleid, den goldenen Ringen und dem Schmuck wie die Inkarnation einer Göttin. Es wird sehr darauf aufgepasst, dass die Gäste mit vollem Bauch krabbelnd nach Hause gehen.
Karuna, die Trauer, ist die andere Seite der Medaille. Wegen Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung, aber auch oft Gewalt und Kriminalität wird viel getrauert. Letzten Monat starb zum Beispiel eine junge Frau, die seit nur zwei Jahren verheiratet war, eine unglückliche „Liebesehe“. Der Mann war gewalttätig und die Frau hatte schon zweimal versucht sich das Leben zu nehmen. Zum Schluss starb sie aus Brennwunden, von denen es unklar ist, ob sie von dem Mann oder der Frau selbst verursacht wurden. Von der Familie des Mädchens wurde eine Klage eingerichtet. Einige Monate früher ist in einem Club-internen Streit ein Mann schwer verletzt worden, hat zum Glück überlebt, weil Freunde schnell genug mit Waffen gekommen sind. Die Clubs sind hier mehr oder weniger die Mafias, die die Dörfer steuern und ausbeuten. Da die aber für die Regierung die Wahlen kontrollieren, werden sie in Ruhe gelassen.
Wenn jemand in einer christlichen Familie stirbt, wird die Leiche meistens am selbigen Tag beerdigt. Es bleibt möglichst kurze Zeit im Haus, damit die Familienmitglieder möglichst schnell aufhören zu klagen und zu fasten. Drei Tage nach der Beerdigung wird mit Freunden, Verwandten und dem Priester gebetet, dann isst die Familie bis zum 41. Tag nach dem Tod kein Fleisch. An diesem Tag gibt es dann wieder ein Gebet und ein feierliches Mahl, wo viele eingeladen werden und viel Geld fürs Essen (dann wieder mit Fleisch) ausgegeben wird. Nach Karuna kommt wieder Hasya.
Die Natur lacht auch viel, besonders nach der Regenzeit, wenn sie nicht mehr unter übertriebenen Hitze, Feuchte und Regen leidet. Eigentlich schon in der Regenzeit fängt sie an ihre Lebendigkeit zu zeigen: das Wachstum von Pflanzen und Grass ist beeindruckend. Aus fast allem, was man direkt vor dem Monsun pflanzt, werden schöne Pflanzen und Bäume. Und ab Mitte Oktober in der kurzen Herbstsaison wird das Wetter richtig gut. Es ist nicht mehr unerträglich heiß und feucht sondern angenehm warm, es regnet fast nie und die Landschaft und das Licht sind wunderbar. Wo versteckt sich denn Karuna in dieser Schönheit? Vielleicht schonmal im Sommer (hier ab Mitte März bis Mitte Juni): Temperaturen, die oft über 40°C reichen und zwischen 11 und 15 Uhr wartete ich oft einfach, dass es kühler wird. Aber die Tanzstudenten waren so beeindruckend in ihrer Bemühung, tägliches Training von 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr! Denn die Prüfungen kamen erst im Juni. Tod und Trauer stellen natürlich die gefährlichen Tieren, die sich im hohen Gras verstecken, dar. Vor einigen Wochen war ich mit den Schwestern in der Nähe von Canning, ungefähr wo die Sundarban anfängt. Die Sundarban ist das Delta vom Ganges im Süden von Bengal. Auf Bengali heißt es „schöner Wald“. Es ist eine der schönsten Regionen Indiens aber auch eine der vom Klimawandeln gefährdeten. Wenn die Meereshöhe zu viel steigt, könnte die Sundarban mit allen ihren Schätzen (wilde Tiere – Krokodilen, Schlangen, natürlich bengalische Tiger, und die Urwald) verschwinden. Dort, wo wir waren, haben die Missionarinnen der Barmherzigkeit ein Krankenhaus für psychisch erkrankten Menschen und auch eine Stelle, wo Leute aus der Gegend kommen, wenn sie von Schlangen gebissen werden, und das sind einige. Die Sundarban ist der Ort mit den meisten Sterbefällen wegen Schlangenbiss.

Kurzer Bericht

Ausflug mit Sr. Subhashni (mitte) und Sr. Ranjana nach Mariapally

Ende September fang Durga Puja, das größte Festival in Bengalen, an. Einmal versuchte der Dämon Mahashasura den Himmel zu erobern. Als die Götter überwältig waren, erschien aus dem Feuer Durga, eine wunderbare Frau, der die Götter ihre Macht und ihre Waffen übergaben. Sie besiegte Mahashasura und brachte Friede auf Erde zurück. Durga ist im hinduistischen Pantheon ein Aspekt von Shivas Gemahlin Parvati. Die Feier dauert zehn Tage. Am ersten Tag, Mahalaya, wird ab 4 Uhr vormittags gesungen, um die Göttin Durga auf die Erde zu rufen. Diesmal war ich aber von der Stille erstaunt, da im Gegenteil zu letztem Jahr nichts aus den Lautsprechern draußen kam. Der Höhepunkt des Festivals fand vom 27. September (Saptami oder siebter Tag) bis zum 29. September (Navami oder neunter Tag) statt. Man kann in Kolkata etliche temporäre Tempeln mit der Darstellung vom Kampf zwischen Durga und Mahashasura besichtigen und ihre Vielfalt bewundern. Alle diese Tempeln werden nach dem Ende des Festival am 30. September abgebaut und die Idolen werden ins Wasser geworfen, damit Durga zu ihrem Gemahl ins Himalaya zurückkehren kann.
Sr. Subhaschni und Sr. Ranjana mit P. Gabric SJ, der demnächst seliggesprochen werden sollte.

In den letzten Tagen von Durga Puja hat es wieder geregnet (vorher war das Wetter eher schön) und eine Woche später haben einige Teiche nach langem starkem Regen etwas überlaufen. An dem Tag hatten wir natürlich auch keinen Strom mehr. Zum Glück hat der Regen nach einem Tag aufgehört.
Am 19. Oktober ist Diwali, das Fest der Lichter. Ganz Indien schießt Feuerwerke, damit das Licht die Dunkelheit besiegt (mehr oder weniger). Und das machen sie richtig. An diesem Tag ist zum Beispiel Delhis Luft zehnmal so schlecht wie normal und die Sichtweite ist nicht mehr als 1 km. Der Himmel sieht in der Nacht so aus wie bei starkem Gewitter Aber es ist allen völlig egal, die Leute feiern.
Der Teich läuft (ein bisschen) über.
In Bengalen ist es auch Kali Puja. Kali ist wie Durga ein Aspekt von Parvati, nur krasser. Sie wird selbst zur Dämonin, um das Übel zu besiegen. Sie tötet unerbittlich massenweise ihre Feinde. Um sie schließlich abzuhalten, legt sich ihr Gemahl Shiva an den Boden vor sie. Wenn sie Shiva zertrampelt, hört sie aus Scham aus. Kali ist in Bengalen sehr beliebt und wird wie keine andere Gottheit in etlichen kleinen Tempeln und im großen Tempel von Kalighat verehrt. Im Norden von Kolkata gibt es auch das sehr schöne Tempel von Dakshineswar, wo Ramakrishna Priester war. Ramakrischna war ein Mystiker aus dem 19. Jahrhundert und ein Initiator der bengalischen und der hinduistischen Renaissance und ein Pionier im interreligiösen Dialog. Sein Jünger Vivekananda hat die Ramakrishna Mission gegründet, die einerseits Hinduismus in der ganzen Welt verbreitet und andererseits viel Arbeit im sozialen Bereich in Indien leistet.
Saju war die ganze Zeit in Europa verreist, und da die Schwestern lange Zeit auch weg waren, hatte ich eine angenehme Zeit mit P. Thottam. Jetzt füllt sich das Haus wieder, Sr. Ranjana und Subhashni sind am 17. wieder gekommen und Saju kehrt am 25. Oktober zurück. Inzwischen haben wir den Besuch von Br. Kuriakos, einem Jesuiten aus Kolkata, bekommen, und die Gelegenheit zu haben mit solch einem einfachen, offenen und herzlichen Menschen zu reden, ist mir ein Segen.
Ab nächster Woche wird es für das jährliche Programm von Kalahrdaya am 11. und 12. November intensiv geprobt. Am 12. November werden hauptsächlich Priester und Religiöse eingeladen, während am 11. die Familien der Kinder ihre Kunst bewundern werden.